Lesbischer Alltag in Uganda 11.11.2014

Eine beeindruckende Frau... die weibliche, starke Stimme der LGBTI*-Bewegung in Uganda am 11.11. im LeTRa in München. Ssenfuka Joanita Warry, genannt Biggy, ist eine der zentralen Frontfrauen von "Freedom and Roam Uganda" (FARUG). Durch evangelikale Missionare wurde über viele Jahre der Hass gegen Queers geschürt, so dass das eigentlich tolerante Volk (ehemals schwuler König) inzwischen zum Großteil von Angst zerfressen ist, wenn es Schwule, Lesben, trans- und intersexuelle Personen vermutet. Der afrikanisch-christliche Glaube unterstellt Queers Hexenkraft, mit der die eigenen Kinder zu Queers verzaubert werden können.

Die aktuelle Situation von LGBTI*s in Uganda ist deshalb unerträglich. Der Mord an David Kato und die Gesetzesinitiativen für ein „Antihomosexualitätsgesetz“ mit drakonischen Strafen erreichte 2009 die Öffentlichkeit, weltweit. Nach einem Formfehler wurde es zwar nicht verabschiedet, doch die Auswirkungen sind dennoch enorm. Durch klerikale Hetzkampagnen ausgelöst, werden auch heute noch junge Frauen vergewaltigt, um sie heterosexuell zu machen. Schwule Männer und Transsexuelle werden zusammengeschlagen und ihnen wird offen mit Mord gedroht. Hausvermieter, Ärzte und Familien sollten nach dem bislang gescheiterten Gesetz Queers denunzieren, um nicht selbst straffällig zu werden. Das Ausmaß an Queerphobie beherrscht Uganda, ist erschreckend und führt mit seiner fast ausweglosen Situation entweder in die völlige Verleugnung der eigenen Identität, in den Selbstmord, den Widerstand oder ins Asyl. In der Organisation Freedom and Roam Uganda (FARUG) kämpfen Aktivist_innen für Ihre Rechte und um ihr Überleben.

Rita Braaz berichtet dann im Anschluss, dass aber auch als Asylbewerber_innen die Tortur und Angst nicht aufhört, da Behörden den Zusicherungen der ugandischen Botschaft Glauben schenken, dass durch das gescheiterte Anti-Homosexuellen-Gesetz die Lage wieder friedlich sei und die Regierung LGBTI*s schütze. Doch die praktizierte Lynchjustiz der durch Kirchen aufgehetzten Nachbarschaften arbeitet schneller, als die Polizei reagieren kann (will). Außerdem steht im Dezember die Verabschiedung eines Gesetztes an, das noch heftiger sein wird, als das ursprünglich eingereichte. Dann werden selbst Vorträge im Ausland unter drakonische Strafe gestellt.

Biggy wird dennoch wieder nach Uganda fliegen. Die meisten Queers im Lande sind ungebildet, da Eltern das Schulgeld nicht mehr aufbringen, wenn sie merken, dass ihre Kinder queer sind. Da die meisten gebildeten Aktivisten_innen eher ausreisen, bleiben nur wenige, die als Speerspitze dagegen halten, Prides und Beratungszentren organisieren, und damit Hoffnungsträger_innen für die schweigende queere Mehrheit in Uganda sind... wie Biggy.

Es war eine betroffene und dankbare Stimmung am Ende dieses unvergesslichen Abends. Die Spenden, die im Publikum gesammelt wurden fielen großzügig aus und auch der anhaltende Applaus und der Rückhalt durch den Münchner Stadtrat (Christian Vorländer) geben den Aktivisten_innen in Uganda und den Asylsuchenden in Deutschland Hoffnung.

Bericht und Bilder: Wolfgang Fänderl / queerelations