Wie tolerant ist die schwule Szene? 21.04.2015

"Minderheiten in der Minderheit - Wie tolerant ist die schwule Szene?" diskutierten Schriftsteller Jens Schadendorf („Der Regenbogenfaktor“), Max Dorner, für Schwule mit Handicap, und die Polittunte Rinzi van den Straaten alias Muriel Aichberger mit ca. 40 Gästen des Abends im Sub.

Ein durchaus anregender Abend, an dem die Frage im Mittelpunkt stand, wie Diskriminierung innerhalb der Queer Community aussieht und wie wir damit umgehen können. Spannend war der Hinweis von Max, dass ihm offensichtlichere Diskriminierungen lieber sind, als versteckte, gutmeinende Herabsetzungen. "Darauf kann ich wenigstens selbstbewusst reagieren."

Muriel betonte die strukturelle Diskriminierung durch Rollen- und Menschenbilder in unserer Gesellschaft, wie sie unser sexuelles und Beziehungs-Leben täglich und unterschwellig beeinflussen. Diese zu irritieren und sich bewusst zu machen gehört zu seinem öffentlichen Auftreten. Gleichzeitig möchte er das leben, was ihm gerade passend erscheint, ohne dafür angepöbelt zu werden.

Jens Schadendorf meinte, dass ja auch die Diskriminierung als schwuler Fußball-Fan (Bayern München bei der Champions-League am gleichen Abend) bereits belasten kann. Dies ließ aber die Diskussion umschlagen. Kann denn die abwertende Beurteilung eines Fußball-Fans durch andere Schwule, mit der Abwertung tuntigen Verhaltens bzw. gar einer Behinderung verglichen und auf eine Stufe gestellt werden?

Ein weiterer Punkt: Ist denn jede sexuelle Vorliebe die nach außen getragen wird - wozu ja auch ein Fetisch gehört - schon eine Diskriminierung anderer? Jeder sollte deutlich machen können, worauf er/sie steht, und was er/sie sucht. Wichtig dabei: abwertende Begriffe und Negativbeschreibungen als Abgrenzungen vermeiden! Ist dann "straight acting" als Beschreibung nicht o.k.?

Tenor aber auch: Gut, dass es Grenzgänger und Menschen gibt, die über ihr Anderssein öffentlich diskutieren und damit die normierten Erwartungen in der Gesellschaft erweitern.

Weitere Informationen: https://www.facebook.com/events/774189909366588/

Bilder und Bericht: Wolfgang Fänderl / queerelations